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Foto: OHB
12.02.2021

12 neue Satelliten für Galileo –
und Aufregung von Anfang an.

Große Enttäuschung beim Satellitenhersteller OHB: Einst hatte man Galileo fast im Alleingang aufgebaut, nun sollen andere die zweite Generation des Satellitennavigationssystems übernehmen – und zwar Airbus und Thales Alenia Space.

Für OHB ist dies ein herber Rückschlag: nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in punkto Prestige. Schließlich hat der börsennotierte Familienbetrieb aus Bremen Galileo einstmals aufgebaut und damit große Bekanntheit erreicht. Für Überraschung sorgt aber auch der Zeitplan des Projektes: Bereits Ende 2024 sollen die ersten Satelliten der zweiten Generation ins All starten. Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton verlegte den Termin um zwei Jahre vor, um im Wettkampf mit GPS und dem chinesischen Beidou die Nase vorn zu behalten.
Unumstritten ist Breton freilich nicht: Mancherorts wurde der Verdacht geäußert, er hätte als gebürtiger Franzose bei der Vergabe des Auftrags Unternehmen mit französischer Beteiligung bevorzugt. Dies wurde von der EU-Kommission allerdings strikt zurückgewiesen: Laut einer unabhängigen Evaluierung, die von der ESA erstellt wurde, soll das Angebot von OHB deutlich schlechter als die Konkurrenzangebote gewesen sein. Fest steht jedenfalls nur eines: Der Industriestandort Deutschland wird stark von dem Airbus-Auftrag profitieren.
Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen zu sein: OHB hat kürzlich Klage am Gericht der Europäischen Union (EUG) eingereicht, worauf dieses die Vertragsunterzeichnung mit Airbus und Thales vorerst ausgesetzt hat.
Wer auch immer bei diesem Streit als Gewinner hervorgeht: Das Projekt ist auf alle Fälle beeindruckend. So soll es die zweite Galileo-Generation ermöglichen, dass auch private Nutzer bei der Navigation eine Präzision von 5 Zentimetern und weniger erreichen.

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17.12.2020

Österreich startet durch:
Dr. Josef Aschbacher neuer ESA-Generaldirektor 

Mit dem Österreicher Dr. Josef Aschbacher wird ein weltweit anerkannter Erdbeobachtungs-Experte Chef der European Space Agency (ESA). Erdbeobachtung mit Hilfe von Satelliten spielt eine wesentliche Rolle in der Bewältigung der Klima-Krise.

AUSTROSPACE begrüßt die Ernennung des Österreichers Dr. Josef Aschbacher zum Generaldirektor der European Space Agency (ESA). Der gebürtige Tiroler ist seit drei Jahrzehnten bei der ESA tätig, wo er seit 2016 als Direktor für Erdbeobachtung und Leiter des Standortes Frascati den Programmbereich mit dem größten Budget verantwortet. Erdbeobachtungs-Satelliten spielen eine ganz wesentliche Rolle in der Bewältigung der Klima-Krise, da nur aus dem Weltall die globale und langfristige Erfassung der für die Veränderung unserer Lebensbedingungen relevanten Einflussgrößen möglich ist. Europa spielt hier seit vielen Jahren eine Vorreiterrolle und verfügt mit dem Copernicus-System der Europäischen Union (EU) über eine einzigartige Infrastruktur. Unter dem Management von Aschbacher konnte Ende 2019 die Finanzierung der Entwicklung einer neuen Generation von Copernicus-Satelliten sichergestellt werden, die unter anderem die globale Verteilung von CO2-Emissionen verfolgen werden. 

Die Erreichung der Klimaziele ist ein zentraler Punkt im Programm der österreichischen Bundesregierung. Bundesministerin Leonore Gewessler, die auch für Weltraum-Angelegenheiten zuständig ist, hat bereits mehrfach auf die wichtige Rolle von Erdbeobachtungsdaten für die Umsetzung der Klima-Strategie hingewiesen. Die entsprechenden Programme der ESA und EU sind daher auch Schwerpunkte der österreichischen Weltraum-Aktivitäten, und österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind seit vielen Jahren sehr erfolgreich sowohl am Aufbau der erforderlichen Infrastruktur als auch an der Aufbereitung und Nutzung der Daten beteiligt. Mit dem Profil und der Erfahrung des neuen Generaldirektors sind die besten Voraussetzungen für die Fortsetzung der europäischen Vorreiterrolle auf der bewährten Basis der Kooperation von ESA und EU und damit auch für den nachhaltigen Erfolg der heimischen Akteure gegeben.

 

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Foto: ESA - P. Carril, CC BY-SA 3.0 IGO
21.11.2020

Großer Schritt für die Klimaforschung:
Sentinel-6 Michael Freilich ist im All!

Der neue Klimasatellit wird aus rund 1300 km Höhe wichtige Daten zur Messung der Meeresspiegelhöhe liefern. Dafür wurde er mit jeder Menge Know-How aus Österreich ausgestattet.

Die Zahlen sind alarmierend: In den vergangenen fünf Jahren sind die Ozeane durch den Klimawandel im Durchschnitt um 4,8 mm pro Jahr gestiegen; Millionen von Menschen sind dadurch langfristig gefährdet. Umso größer die Freude, als der neue Klimasatellit Sentinel-6 Michael Freilich am 21.11. von Kalifornien aus erfolgreich in eine erdnahe Umlaufbahn gebracht wurde. Einmal mehr ist es ein Gemeinschaftserfolg: Der neueste Satellit der Sentinel-Familie des EU-Programms Copernicus, der nach dem verstorbenen Leiter der Erdbeobachtungsabteilung der NASA benannt wurde, ist das Ergebnis einer Kooperation von ESA, NASA, Eumetsat und der US Wetter- und Ozeanografie-Behörde NOAA, sowie der französischen Weltraumagentur CNES. Von einer polaren Bahn in rund 1300 km Höhe wird der Satellit ab nun Veränderungen der Meeresspiegelhöhe beobachten und damit einen wichtigen Beitrag zur Klimaforschung leisten.

Stolz auf österreichische Beiträge

Wie so oft leisteten auch diesmal österreichische Unternehmen einen wesentlichen Beitrag: So sind es etwa die hochpräzisen Navigationsempfänger von RUAG Space Österreich, die es ermöglichen, die Position des Satelliten mit einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern zu bestimmen. Mit diesen Empfängern, die bereits auf 10 Satelliten erfolgreich im Einsatz sind, ist RUAG Space Marktführer in Europa und beliefert auch Kunden in den USA und in Asien. Eine führende Position hat das Unternehmen auch im Produktbereich der Thermalisolationen: Eine ebensolche schützt den neuen Satelliten vor den extremen Temperaturen von plus/minus 200 Grad Celsius im Weltall.

Ebenfalls maßgeblich am Erfolg beteiligt: Das Unternehmen Atos Austria, das als Hauptanbieter von EGSE Ausrüstungen für die wichtige Mission fungierte. Mit diesen Geräten kann man den Satelliten auf Herz und Nieren testen – speziell das Telekommunikationssubsystem, das Nutzlast-Downlink-Kommunikationssubsystem und das Stromversorgungssystem. Darüber hinaus dient die EGSE Ausrüstung auch dazu, die Kompatibilität des Satelliten mit den Bodenstationen bezüglich der Kommunikation zu überprüfen und das Verhalten der Solarpaneele und der Batterien zu simulieren.

Bemerkenswertes Detail am Rande: Sentinel 6 ist die erste gestartete ESA Mission, die mit der von Atos entwickelten grünen, digitalen und nachhaltigen Stromtestanlage ProUST univerSAS® simuliert und getestet wurde.

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Foto: ESA
18.12.2019

Riesenerfolg für die ESA:
die Ministerkonferenz Space19+

Dieses Ergebnis kann sich sehen lassen: Insgesamt 14,4 Mrd. Euro betragen die von den Mitgliedstaaten zugesagten neuen Mittel. Mit diesem außerordentlichen Erfolg für die ESA, der zugleich ein starkes Signal für den institutionellen Markt in Europa ist, endete die ESA-Ministerkonferenz Space19+, die von 27. bis 28.11.2019 in Sevilla statt fand.

Diese Investitionssumme stellt eine Steigerung von unglaublichen 40% im Vergleich zu jenen Mitteln dar, die in der vorangegangenen Konferenz des Jahres 2016 zugesagt wurden. Das Budget für das Wissenschaftsprogramm und für die Basisaktivitäten der Agentur wurde dabei um fast 10% erhöht. Besonders großes Interesse weckte das Erdbeobachtungsprogramm, vor allem die gemeinsame ESA/EU-Initiative Copernicus – doch auch die vorgeschlagenen Aktivitäten in den Bereichen „Bemannte & Robotische Exploration“ sowie „Raumtransport-Systeme“ fanden starke Unterstützung.

Die weniger gute Nachricht: Österreich konnte auf Grund der derzeitigen budgetären Einschränkungen auf diesem Wachstumspfad nicht mithalten: Der Anteil an der Gesamtbeteiligung sank von 1.9% im Jahr 2016 auf derzeit 1.3%. Zwar wurde der Fokus auf Erdbeobachtung und Telekommunikation beibehalten, jedoch bestehen durch die finanzielle Einschränkung derzeit gerade in höchst interessanten neuen Bereichen wie der Exploration oder Weltraum-Sicherheit kaum Möglichkeiten für die österreichische Industrie, sich zu engagieren – und das, obwohl attraktives Potential und geeignete Produkte bei einigen Unternehmen durchaus vorhanden sind. Diese unbefriedigende Situation kann nur durch eine nachträgliche Erhöhung der Programmbeteiligungen unter einer neuen Regierung korrigiert werden – ein Anliegen von hoher Dringlichkeit. Schließlich geht es darum zu verhindern, dass österreichische Zulieferunternehmen den Anschluss auf einem sehr dynamischen Markt verlieren, in dem gerade eine Vielzahl von institutionellen und privaten Initiativen die Zukunft der Weltraumindustrie für das nächste Jahrzehnt prägt.              

 

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Foto: www.starlink.com
14.11.2019

Pionierarbeit im All: 60 Starlink-Satelliten im Orbit

Am 11. November 2019 war es soweit: In einer perfekt gelungenen Startmission wurden 60 operationelle Starlink-Satelliten von einer Falcon 9-Trägerrakete vom Komplex 40 der Cape Canaveral Luftwaffenstation in den Weltraum gebracht. Dass alles so gut lief, war kein Zufall: Bereits am 24. Mai waren ebenso viele Versuchseinheiten gestartet worden.

Dass bei einem einzigen Flug gleich mehrere Raumfahrterstleistungen erzielt werden, passiert wohl nicht alle Tage: So war es das erste Mal, dass eine Falcon 9 ein viertes Mal für einen Start eingesetzt wurde – und ebenso erstmalig in der Geschichte der Raumfahrt, dass eine bereits bei einer früheren Mission verwendete Nutzlastverkleidung noch einmal eingesetzt wurde. Dass die Nutzlast mit 15.600 Kilogramm zugleich auch noch die schwerste ist, die SpaceX je in den Orbit brachte, spricht für sich.

Bei der 50. erfolgreichen SpaceX-Mission in ununterbrochener Reihenfolge verließ die Falcon 9 um 15:46 Uhr die Startanlage, nach ca. einer Stunde erreichte sie den kreisförmigen Orbit in einer Höhe von 280 Kilometern, wo der „Stack“ mit den 60 Satelliten von der Oberstufe der Rakete freigegeben wurde. Jeder dieser Satelliten hat eine Masse von etwa 260 Kilogramm und ist somit um 33 Kilogramm schwerer als die 60 Starlink-Satelliten des Teststarts vom 23. Mai. Als nächstes werden sie ihre mit Krypton betriebenen Ionentriebwerke einsetzen, um ihre endgültige Umlaufbahn in 560 Kilometern Höhe zu erreichen. Um 400 % leistungsfähiger als ihre Vorgänger, arbeiten sie in zwei Frequenz-Bändern statt nur in einem. Eine weitere Neuerung: Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre lösen sich die Satelliten restlos auf, und nicht mehr nur zu 95 Prozent. Alles in allem ein großer Erfolg für SpaceX – doch es bleibt spannend: Schließlich steht auch der unmittelbare Konkurrent OneWeb kurz vor dem Start.

           

 

 

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Foto: ESA
10.05.2019

BepiColombo ist nun bereit für die lange Reise

Nach einer Testserie, die sich über die letzten fünf Monate erstreckte, hat die ESA-JAXA Mission BepiColombo ihre erdnahe Inbetriebsetzungsphase erfolgreich abgeschlossen – und ist nun bereit für die eigentliche Mission: die lange, gefährliche Reise zum Merkur und dessen detaillierte Erforschung.

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Die Tests, die nach dem Start am 20. Okober 2018 begannen, hatten das Ziel, die Funktionstüchtigkeit und Fähigkeiten der wissenschaftlichen Instrumente, des Antriebsystems und der weiteren Systeme des Raumflugkörpers genauestens zu überprüfen.  Am 26. März 2019 wurde schließlich bestätigt, dass alle Tests erfolgreich abgeschlossen wurden. Ab jetzt können sich die europäischen und japanischen Teams auf Routineoperationen sowie die Vorbereitungen auf den ersten Gravitationsschwung konzentrieren. Seit dem Start hat BepiColombo übrigens bereits über 450 Millionen Kilometer zurückgelegt – was allerdings nur etwa 4% der gesamten Strecke ausmacht, die die Sonde insgesamt zurücklegen muss, bis sie den Merkur Ende 2025 erreichen wird.

Im Moment befindet sich der Raumflugkörper etwa 50 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – Funksignale benötigen ca. 3 Minuten, um ihn zu erreichen. Der nächste Meilenstein dieser Mission, der bevorsteht: am 13.April 2020 wird BepiColombo in einer Distanz von rund 11.000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen.

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14.03.2019

Summer School Alpbach 2019: Eine einmalige Chance!

Vom 16.7. bis 25.7.2019 wird in dem idyllischen Ort Alpbach inmitten der Tiroler Alpen wieder nach den Sternen gegriffen: Die diesjährige Summer School Alpbach widmet sich ganz dem Thema „Geophysik aus dem Weltall unter Verwendung von Micro- oder Nanosatelliten- Konstellationen“.

Eine einmalige Chance für StudentInnen, Weltraumprojekte in einem internationalen Setting
 zu analysieren und mitzuplanen. Im Vorfeld werden ingesamt 60 junge Leute aus einem Wissenschafts- oder Ingenieursstudium ausgesucht, die in vier Arbeitsgruppen gemeinsam
 ein Weltraumprojekt planen und entwickeln – unter der Aufsicht renommierter ExpertInnen. Organisiert und gefördert wird dieses zukunftsträchtige Event auch dieses Mal von Austrospace, der FFG, der ESA und dem International Space Science Institute.

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Foto: ESA
05.01.2019

Ariane 6‭: ‬Die Zukunft wird gebaut

Im Juli 2020‭ ‬soll die neue‭ ‬Ariane 6‭ ‬ins All abheben‭ ‬‮–‬‭ ‬die Nachfolgerin der legendären europäischen Trägerrakete Ariane 5. ‬Derzeit sind die Bauarbeiten in Französisch-Guyana in vollem Gange‭: ‬Hier entsteht gerade die neue Startrampe‭, ‬von der aus die‭ ‬Rakete ins All geschossen werden soll‭. ‬

Rund 500‭ ‬Leute aus dem Bauingenieurwesen sind am Bau beteiligt‭. ‬Eine der unzähligen Herausforderungen besteht darin‭, ‬im sogenannten‭ ‬„‬Flammengraben“‭ ‬die gewaltigen Flammenmengen und Gase abzuleiten‭, ‬die beim Start der Rakete erzeugt werden‭. ‬Außerdem wird die Ariane 6‭ ‬horizontal gebaut und nicht in aufrechter Position‭ ‬‮–‬‭ ‬all dies soll Geld sparen‭. ‬Denn um konkurrenzfähig‭ ‬zu bleiben‭, ‬soll der Start der Ariane 6‭ ‬nur halb so viel kosten wie der ihrer Vorgängerin‭.‬

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Foto: ESA
30.10.2018

So sieht also eine Nova aus

Mit noch nie dagewesener Zeitauflösung liefern österreichische Kleinsatelliten Bilder vom Ausbruch einer‭‬‮„ ‬Nova“‭ ‬‮–‬‭ ‬so die Bezeichnung für eine Eruption bzw‭. ‬den Helligkeitsausbruch eines Sterns‭. ‬

Die sogenannte BRITE-Constellation‭, ‬an der Österreich beteiligt ist‭, ‬stellt eine Flotte von fünf Nano-Satelliten dar‭, ‬die das Licht der hellsten Sterne mit hoher Präzision aufnimmt‭. ‬

Die TU Graz sowie die Universitäten Wien und Innsbruck steuerten dafür wertvolles Know-How bei‭. ‬Außerdem arbeitet die TU Graz derzeit‭ ‬‮–‬‭ ‬gemeinsam mit RUAG Space Austria und Seiberdorf Laboratories‭ ‬‮–‬‭ ‬an zwei weiteren Kleinsatelliten‭, ‬die 2019‭ ‬starten sollen‭. ‬Dabei soll zum ersten Mal überhaupt das Eis von Gletschern oder an den Polen sowie die Wellenbewegungen der Ozeane vom Weltall aus vermessen und registriert werden‭.‬

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Foto: corn
23.10.2018

ESA-Experte‭:
„Jede Mission ist zu Beginn Science-Fiction“

(Interview von: STANDARD Verlagsgesellschaft, Karin Krichmayr, 25.12.2018)

Mars-Express-Missionsleiter Rudolf Schmidt über seine Mitarbeit bei Ridley Scotts‭ ‭ „Der Marsianer‭“, ‬Systemfehler und Menschen auf dem Mars‭. ‬

Weil bei der Inskription am wenigsten Leute beim Schalter für Physik anstanden‭, ‬entschloss sich Rudolf Schmidt kurzerhand für dieses Fach‭. ‬Er sollte es nicht bereuen‭: ‬Ab 1982‭ ‬arbeitete er bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA, ‬wo er u‭.‬a‭. ‬die Mission Mars Express leitete und zuletzt als Generalinspektor tätig war‭. ‬Aufgrund seiner Expertise holte ihn US-Regisseur Ridley Scott als Berater für die Dreharbeiten seines Hollywoodfilms‭ „Der Marsianer“ (‬2015‭) ‬an Bord‭. ‬Seit er 2016‭ ‬in den Ruhestand getreten ist‭, ‬bastelt er statt Satelliten an seinem Bauernhof in der Steiermark‭. ‬Vergangene Woche war er in Wien zu Gast beim Symposium‭ „Kepler und der rote Planet“ ‬der Österreichischen Akademie der Wissenschaften‭.

Am 25‭. ‬Dezember 2003‭ ‬erreichte die Sonde Mars Express den Orbit des Roten Planeten‭. ‬Wie haben Sie Weihnachten verbracht‭? ‬

SCHMIDT ‬Heiligabend war eine brenzlige Phase‭. ‬Wir haben von 24‭. ‬Dezember in der Früh bis zum 25‭. ‬am Abend im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt durchgearbeitet‭. ‬Die deutsche Wissenschaftsministerin Edelgard Buhlmann kam mit Champagnerflaschen‭, ‬die sie versteckte‭, ‬damit sie ja nicht mit ihnen fotografiert wird‭, ‬falls etwas schiefgeht‭. ‬Als Mars Express dann um drei Uhr früh im Orbit war‭, ‬knallten die Korken‭. ‬Dabei stürmte noch ein Mathematiker herein mit der Schocknachricht‭, ‬dass beim Einschuss in den Orbit viel zu viel Treibstoff verbraucht wurde‭. ‬Es stellte sich aber heraus‭, ‬dass er sich um eine Kommastelle verrechnet hatte‭. ‬Der Treibstoff reichte also doch für 24‭ ‬Jahre‭. ‬Das heißt‭, ‬wenn alles andere auch so lange hält‭, ‬könnte Mars Express noch bis 2027‭ ‬aktiv sein‭. ‬

Haben Sie damit gerechnet‭, ‬dass‭ ‬die Sonde so lange Daten liefert‭? ‬Zuletzt wurden mit ihrer Hilfe riesige Wasservorkommen auf dem Mars entdeckt‭. ‬

SCHMIDT ‬Entworfen und finanziert war das Projekt für zwei Jahre‭, ‬aber wie üblich in Europa‭, ‬wenn ein Projekt gut läuft‭, ‬findet man immer noch‭ ‬irgendwo Geld dafür‭. ‬Die Performance des Satelliten ist gut‭, ‬Datenübertragung‭, ‬elektrische Leistung‭, ‬die Recheneinheiten an Bord‭ ‬funktionieren wunderbar‭. ‬Und solange daraus gute wissenschaftliche Arbeiten resultieren‭, ‬geht es auch weiter‭.‬

In der Raumfahrt haben Sie nicht nur große Erfolge erlebt‭, ‬sondern auch spektakuläre Flops‭. ‬Ist das eine nicht ohne das andere zu haben‭? ‬

SCHMIDT ‬Es gibt Projekte‭, ‬die ein Riesenerfolg wurden‭, ‬aber zwischendurch knapp am Desaster vorbeigeschrammt sind‭. ‬Zum Beispiel das Hubble-Space-Teleskop‭: ‬Bei der Linse wurden zwei Mikron zu viel weggeschliffen‭, ‬das ist etwa ein Fünfzigstel eines Haares‭. ‬Das hat‭ ‬ausgereicht‭, ‬dass die Fotos ganz deutlich unscharf waren‭. ‬Zwei Jahre später ist man mit dem Shuttle hingeflogen und hat es repariert‭. ‬Auch bei Mars Express gab es ein gravierendes Problem‭: ‬Es fehlte eine Drahtbrücke im Satelliten‭. ‬Als sich kurz nach dem Start die Sonnensegel entfalteten‭, ‬war klar‭, ‬dass zu wenig elektrische Leistung auf den Segeln zustande kommt‭, ‬sodass der Satellit‭ ‬es nie bis zum Mars schaffen würde‭. ‬Also begannen wir nach Lösungen zu suchen‭. ‬Wir haben umgeplant‭, ‬optimiert und an vielen Rädchen gedreht‭, ‬bis wir Schritt für Schritt so viel Energie einsparen konnten‭, ‬dass am Ende für die Messungen mehr als genug Leistung zur Verfügung stand‭. ‬Jetzt ist die Sonde 15‭ ‬Jahre im Marsorbit‭. ‬

Abgesehen von den Erfolgen‭ ‬‮–‬‭ ‬was war der größte Fehlschlag in Ihrer Karriere‭? ‬

SCHMIDT ‬Es gibt nur einen‭, ‬und der sticht heraus‭. ‬Ich bin 1982‭ ‬nach Holland zur ESA gekommen und wurde einige Monate später wissenschaftlicher Leiter des Clusterprojekts‭, ‬das mit vier Satelliten das Erdmagnetfeld erforschen sollte‭. ‬Es gab immer Geldmangel bei der‭ ESA, ‬irgendwo hat es immer gezwickt‭, ‬also wurden immer billigere Wege gesucht‭. ‬Dann endlich wurden 1996‭ ‬die Satelliten nach Französisch-Guyana zum Start auf der ersten Ariane 5‭ ‬geflogen‭. ‬Gleich nach dem Start explodierte die Rakete‭. ‬13‭ ‬Jahre Arbeit waren‭ ‬in 20‭ ‬Sekunden kaputt‭. ‬Es war ein Riesendrama‭, ‬wir haben alle geweint‭. ‬Das hat mir gezeigt‭, ‬wie riskant unser Geschäft ist‭. ‬Die‭ ‬Weltraumfahrt ist unverzeihlich‭. ‬Wenn irgendwo eine Fehlermöglichkeit im System besteht‭, ‬dann ist es nur eine Frage der Zeit‭, ‬bis der Fehler tödlich wird‭. ‬Bei Ariane 5‭ ‬hat man Software vom Vorgänger wiederverwendet‭. ‬Ariane 4‭ ‬beschleunigt so gemächlich wie‭ ‬ein VW-Transporter‭, ‬Ariane 5‭ ‬ist wie ein Porsche‭. ‬Die Steuerungssoftware kam damit nicht klar‭. ‬Es gab dann mit Cluster 2‭ ‬aber einen erfolgreichen Nachbau‭. ‬

Sie haben immer mit Satelliten gearbeitet‭, ‬wie stehen Sie zur bemannten Raumfahrt‭? ‬

SCHMIDT ‬Es wird Zeit‭, ‬dass wir etwas anderes machen als die International Space Station‭. ‬Die Amerikaner schlagen einen Lunar Gateway vor‭, ‬eine bemannte Kapsel im Bereich des Mondes‭. ‬Sie könnte um Lagrange-Punkte kreisen‭, ‬wo es Stabilität zwischen Erd‭- ‬und Mondschwere gibt‭, ‬oder um den Mond selber‭. ‬So ein Gateway soll der erste Schritt sein‭, ‬um von dort aus weiter zum Mars zu fliegen oder‭ ‬zu einem Asteroiden‭. ‬

Die nächste große Reise soll zum Mars gehen‭? ‬

SCHMIDT ‬Das ist die nächste große Herausforderung‭. ‬Aber um das zu finanzieren‭, ‬bräuchte es einen Super-Kennedy‭. ‬Ich bin überzeugt‭, ‬dass es technisch möglich ist‭, ‬und auch geistig und körperlich sollten Astronauten eine Reise von drei Jahren hin und zurück aushalten‭. ‬Heute ist es Elon Musk mit Falcon 9‭, ‬der Druck macht‭. ‬Am Ende wird auch Musk das Geld ausgehen‭, ‬aber er könnte das Fass ins Rollen bringen‭. ‬Die Regierungsbehörden NASA und ESA, ‬Chinesen‭, ‬Inder‭, ‬Japaner und Russen müssten alle zusammenarbeiten‭. ‬Einer allein kann so eine Mission‭ ‬nicht auf die Beine stellen‭.‬

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Foto: ESA
20.10.2018

Merkur‭, ‬wir kommen‭: ‬
BepiColombo bricht auf‭.

17‭ ‬Jahre lang wurde getüftelt und geplant‭, ‬entwickelt und konstruiert‭ ‬‮–‬‭ ‬in den frühen Morgenstunden des 20.10.2018‭ ‬ist es dann endlich soweit‭:  ‬Die europäisch-japanische Sonde BepiColombo bricht auf ihre 7‭ ‬Jahre lange Reise zum Merkur auf‭. ‬

Mit an Bord‭: ‬ausgeklügelte österreichische Weltraumtechnologie‭, ‬wie zum Beispiel eine Thermalisolation‭, ‬die die Sonde vor den extremen Temperaturschwankungen zwischen‭ -‬180‭ ‬Grad Celsius und‭ +‬450‭ ‬Grad Celsius schützen soll‭. ‬Erst im Jahr 2025‭ ‬wird BepiColombo‭ (‬benannt nach dem italienischen Mathematiker und Ingenieur Guiseppe‭ ‬‮„‬Bepi“‭ ‬Colombo‭) ‬das Ziel erreichen‭ ‬‮–‬‭ ‬sofern alles gut geht‭. ‬Denn der Flug steckt voller Gefahren‭: ‬So muss die Sonde einige Planeten mehrfach umrunden‭, ‬um an Geschwindigkeit zu verlieren und nicht in das Innere des Sonnensystems zu stürzen‭. ‬Gelingt das Experiment‭, ‬so wird BepiColombo den Merkur detailliert erforschen und neue Erkenntnisse über die Entstehung des gesamten Sonnensystems‭, ‬insbesondere der erdähnlichen‭ ‬‮„‬terrestrischen“‭ ‬Planeten erbringen‭. ‬

Die Merkur-Mission ist aber nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht von großem Interesse‭: ‬Aufträge in der Höhe von insgesamt 36‭ ‬Mio‭. ‬Euro sind dafür nach Österreich geflossen‭ ‬‮–‬‭ ‬mehr als jemals zuvor im Rahmen einer Weltraummission‭. ‬

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02.10.2018

New Human Footprint‭:
Bilder aus dem All

Der Umweltschutz ist um ein paar beeindruckende Argumente reicher‭ ‬‮–‬‭ ‬in Form von überaus sehenswerten Bildern aus dem All‭. ‬

Der kürzlich erschienene Bildband  „‬New Human Footprint‭ - ‬unsere Welt im Umbruch“‭ ‬der Autoren Markus Eisl‭, ‬Gerald Mansberger‭, ‬und Paul Schreilechner dokumentiert die Ausbeutung der Erde durch den Menschen anhand von beeindruckenden Satellitenbildern‭. ‬

Von den unübersehbaren Narben‭, ‬die der Bergbau hinterlässt‭, ‬bis hin zu Auswirkungen von Wald‭- ‬und Landwirtschaft‭, ‬Energie‭- ‬und Verkehrsinfrastrukturen‭. ‬Bei aller Gesellschaftskritik weist der opulente Bildband aber zugleich auch auf die Schönheit und Vielfalt unseres Planeten hin‭.  

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